Der Iran und die Atomkrise  Chancen des Krisenmanagements
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Iran - Die drohende Katastrophe (Broschiert) Angesichts der Resonanz gegenüber der derzeitigen Medienwirkung des iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad fällt es durchaus schwer, ein differenziertes Bild über die Situation des Iran zu entwickeln. Berichte über Menschenrechtsverletzungen und die offensichtliche Unterstützung islamistisch motivierter Terrorgruppen tragen ein übriges dazu bei, daß wir Verlautbarungen iranischer Regierungsvertreter mit einem tiefverwurzelten Mißtrauen gegenüberstehen. Darüber hinaus trägt auch die mystische Ausprägung des Islam innerhalb im Schiismus dazu bei, der iranischen Politik mit starken Vorbehalten zu begegnen.

Welche Gefahren resultieren aus dem iranischen Streben nach Atomenergie? Darf dem Land, das den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat, von der internationalen Gesellschaft die Nutzung der Atomenergie zugebilligt werden, wenn es in einem Atemzug die Existenz des Staates Israel bestreitet? Welche Haltung nimmt die iranische Gesellschaft zur Politik ihrer politisch-religiösen Führung ein? Wie soll der Westen auf die drohenden Gefahren reagieren, die sich aus einer möglichen Atommacht Iran entwickeln? Welche Alternativen bieten sich außer Sanktionen und der militärischen Option zur Lösung des andauernden Konfliktes an?

Diese und andere Gedankengänge nimmt Bahman Nirumand in seinem Buch Iran-Die drohende Katastrophe auf und zeigt dem Leser anhand dieser durchaus komplexen Problematik auf, daß es durchaus probate Lösungsalternativen zur Entschärfung der drohenden Katastrophe gibt. Nirumand schreibt über den derzeitigen Konflikt als Insider. Seine Erfahrungen und Kenntnisse als Dissident werden bei der Lektüre des Buches spürbar. Sehr detailliert schildert er die Historie des Konfliktes um die Atomernergie. Er ruft in Erinnerung, welche Optionen der Krisenentschärfung seitens der US-Regierung offenbar aus machtpolitischem Kalkül verworfen wurden und macht auch die Legitimität deutlich, mit der eine mit über 80 Millionen Menschen zählende Gesellschaft ihre wirtschaftliche Zukunft durch alternative Energieformen zu sichern gedenkt.

Nach dieser für einige Leser vielleicht zu ausführlichen Darstellung der Hintergründe des derzeitigen Konfliktes zeigt Nirumand auf, welche alternativen Ansätze zu Krisenbewältigung verfolgt werden sollten. Er geht dabei auf die Funktionsweise des iranischen Systems ein, zeigt seine Widersprüche auf, die den Fundamenten des iranischen Staates inhärent sind. Für den Leser wird dabei vor Augen geführt, wie stark diese große Kulturnation durch eine religiös-faschistische Clique Geistlicher durch Korruption und Mißwirtschaft heruntergewirtschaftet wird. Angesichts der immensen Vergeudung von Ressourcen für die Modernisierung einer rapide wachsenden, an westlichen Idealen orientierten Gesellschaft wird deutlich, weshalb der neue religiöse Puritanismus den ehemaligen Revolutionsgardisten Ahmadinedschad in das politische Staatsamt katapultiert hat. Da das eigentliche Machtzentrum des Staates im religiös dominierten Wächterrat liegt und Parlament wie Staatspräsident in dieser Theokratie nur plakative Bedeutung haben, widmet sich Nirumand richtigerweise der Frage, welche Chancen einer Konfliktbewältigung gegeben sind.

Nirumand macht dabei deutlich, daß die Nukleartechnologie per se nicht die eigentliche Ursache der Krise darstellt, sondern vielmehr ihre Verfügbarkeit in den Händen eines Regimes, daß die US-amerikanischen Machtinteressen in dieser Region vor eine gewaltige Herausforderung stellen. Aus Sicht der Europäer sollte uns bewußt sein, daß der Iran, nach Jahren der politischen Umwälzung und Krisen eine Position als Mittelmacht einzunehmen gedenkt, die Länder wie Indien, Pakistan oder Südafrika vor ihm bereits eingenommen haben. Dieses in seinen gesellschaftlichen Gundstrukturen durchaus moderne Land läßt sich aus Gründen des Machtkalküls nicht auf die Stufe eines Entwicklungslandes zurückbomben. Es läßt sich auch durch Sanktionen, deren Wirkung sich im übrigen als zweifelhaft erwiesen haben, nicht von seinem eingeschlagenen Kurs abhalten. Vielmehr sollten wir im Westen die Chancen nutzen, die eine zwangsläufige Öffnung der iranischen Gesellschaft mit sich bringt. Die Impulse, die diese Gesellschaft durch Studierende im westlichen Ausland erhält, ist nicht zu übersehen. Es ist nicht nur das Straßenbild in Teheran, das uns dieses verdeutlicht, es sind auch Eindrücke aus anderen Städten, das uns dies vor Augen führt. Nirumand trägt mit seinem Buch zur Versachlichung der Auseinandersetzung bei. Das ist die Stärke des Buches. Man fühlt sich zum Ende der Lektüre an Alexis de Tocqueville erinnert, der richtigerweise zu der Erkenntnis kam, daß keine Regierung so sehr in ihrem Bestand bedroht ist, wenn sie sich demokratischen Strukturen öffnet. Angesichts der geschichtlicher Umbrüche sollten wir uns selbstbewußter und mutiger den Kräften im Iran zuwenden, die diesen Weg einschlagen wollen.

Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. September 2006
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