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Nicht vollständig überzeugender Klassiker des Genres
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Wohl selten hatte ich eine so hohe Erwartungshaltung an ein Buch gestellt wie an Bulwers "Die letzten Tage von Pompeji". Die Vorschusslorbeeren waren enorm, und angesichts der Tatsache dass dieser historische Roman auch 170 Jahre nach seinem Erscheinen eine große Schar von Lesern zu begeistern vermag, erwartete ich nichts geringeres als ein Meisterwerk. Doch der Roman konnte meinen hohen Ansprüchen nicht völlig gerecht werden.
Unterteilt ist der Roman in fünf Büchern, und in der Tat sind diese wie ein klassisches fünfaktiges Drama aufgebaut. Die Hauptpersonen sind einerseits das passiv-leidende Heldenpaar Glaucus und Ione sowie der aktiv das Geschehen beherrschende "Erzbösewicht" Arbakes und die aus Eifersucht intrigenspinnende blinde Sklavin Nydia. Die Handlung des Romans ist sehr vorhersehbar, aber dann doch wieder so gut erzählt dass man den feuerspeienden Vesuv vergisst, der den ganzen Kabalen zu guter letzt ein Ende machen wird.
Dem Autor war es ohnehin hauptsächlich darum zu tun ein Bild der römischen Gesellschaft und Zivilisation zu geben. Das ist ihm teilweise auch recht gut gelungen. Römische Bäder, Gelage, Gladiatorenkämpfe und vieles mehr stehen auf der literarischen Besichtigungstour Pompejis.
Gestört haben mich vor allem die Charaktere der handelnden Personen. Man bekommt einfach nicht den Eindruck dass es sich um Personen aus der Antike handeln soll. Viel eher fühlt man sich bei der Schilderung so manchen altrömischen Gelages an ein Dinner eines Gentlemanklubs im viktorianischen London erinnert.
Trotz einiger Schwächen bleibt Bulwers "Die letzten Tage von Pompeji" ein Klassiker des historischen Romans. Für Fans des Genres ist er sowieso Pflichtlektüre, ebenso für alle, die eine Besichtigung der Stadt Pompeji planen. Allen anderen aber, die sich durch einen historischen Roman ein Bild des ersten nachchristlichen Jahrhunderts verschaffen wollen, rate ich eher zu "Quo vadis" von Sienkiewicz oder "Ich, Claudius, Kaiser und Gott" von Ranke-Graves.
P.S.: Die Ausgabe des dtv mit ihren zahlreichen Abbildungen von Pompeji, ausführlichen Anmerkungen, Materialien und einem Nachwort ist absolut empfehlenswert.
Eine Rezension von Rilgo Costa >
vom 14. November 2009 |